„Und dann fangen die Vögel schon zum Labern an!“

Juni 2019

Nachdem die Kinder und das Gepäck verladen waren, machten wir uns auf den Weg in die Hersbrucker Schweiz. Die Sonne schien und der Fahrtwind streichelte unser Gesicht. Aufgrund dieser Strapazen machte mein Beifahrer einen Umweg ins Schlummerland bevor wir das eigentliche Ziel erreichten.
Nun lag die Harnbachmühle in all ihrer Pracht vor uns. Sie besteht aus einem stattlichen Fachwerkbau, der von fleißigen Zimmermannsgesellen errichtet wurde, einigen kleinen Holzhütten, einer Mongolenjurte und zwei Häuschen für sanitäre Bedürfnisse.

Trotzdem mussten wir erstmal für unser eigenes Dach über dem Kopf sorgen, weil wir nicht die einzige Gruppe vor Ort waren. Das bedeutete für uns verschiedenste Modelle an Zelten aufzustellen und fest im Boden zu verankern. Dabei brannte die Sonne unbarmherzig auf uns herab. Ein Glück, dass der Mühlbach und die Pegnitz nur ein paar Schritte entfernt waren und uns zu einer willkommenen Abkühlung einluden.Wir aßen am Abend unter freiem Himmel Nudeln mit Tomatensoße. Als sich die Nacht über unser Zeltlager legte, machten wir noch eine Nachtwanderung und schon bald war Schlafenszeit.

Der Morgen darauf begann mit einem gemütlichen Frühstück. Voller Neugier fragten meine Kollegen und ich die Kinder wie sie die Nacht erlebt haben. Schließlich wurden sie aus ihrer gewohnten Umgebung in der Großstadt wie ein Bäumchen aus dem Boden gerissen und mussten sich nun in der Wildnis zurechtfinden. Die meisten erzählten uns aber von positiven Erfahrungen. Es war schön ruhig. Kein Auto zu hören. Und mit den Freunden zu übernachten ist auch ein tolles Erlebnis. Dafür gab es andere Geräusche. Zum Beispiel das frühe Zwitschern der Vögel. Ein Mädchen zeigte dafür nur wenig Verständnis, was sich in der Überschrift dieses Artikels nachlesen lässt.

Höhepunkt unserer Inklusiven Kinderfreizeit war eine Slackline Aktion, die von einer Erlebnispädagogin betreut wurde. Zunächst durften die Kinder ihre Balancekünste auf einem kniehoch über dem Boden gespannten Seil austesten. Die Kinder hatten dabei großen Spaß an der Herausforderung ohne Abzuspringen an ihr Ziel zu kommen. Es war auch ein gewisses Maß an Kooperation nötig, da sich die Kinder von ihren Freunden stützen ließen. Als der Übungsteil abgeschlossen war, durften die Kids nun auf einem Seil über die eiskalte Pegnitz laufen. Sie trugen dabei einen Sicherheitsgurt, der sie im Fall eines Sturzes auffing. Trotzdem war es ein kleines Abenteuer. Und ich ließ es mir nicht nehmen es selbst auszuprobieren.

Weitere Programmpunkte waren eine Waldolympiade bei der die Kinder verschiedene Wettkämpfe durchführten, eine Wanderung durch die malerische Natur, Zeltplatzspiele und natürlich das gemeinsame Beisammensein am Lagerfeuer. Darüber hinaus hatten die Kinder große Freude am Staudämmebauen und am Holzschnitzen. Diese Fertigkeit war äußerst nützlich, um Stöcke anzuspitzen, danach Marshmallows aufzuspießen und über dem Feuer zu braten.

Als wir am letzten Abend gemeinsam am Lagerfeuer saßen und der Mond schon aufgegangen war, erzählte mir ein Mädchen verträumt: „Morgen kauf ich mir einen Vogel und dann flieg ich zum Mond.“ Am nächsten Tag ging es leider nicht zum Mond sondern zurück nach Hause. Die Fahrt verlief ähnlich wie der Hinweg. Sonne. Fahrtwind. Und erneut wurde meine Schulter zum Kopfkissen für meinen Beifahrer.

Text: Martin Bergmann, Semesterpraktikantin im Evang. Stadtteilhaus leo